Chemieindustrie bezeichnet Kranke als „Ökochonder”

Immer mehr Menschen klagen über Beschwerden durch Umweltgifte

Die Gefahr heute geht nach Expertenansicht weniger von möglichen Unfällen in Chemiewerken, sondern vielmehr von der schleichenden Verseuchung unserer Alltagswelt durch toxische Substanzen in Produkten aus. Bereits ein Teil der Bevölkerung leidet unter einer Multiplen Chemikalien-Unverträglichkeit (MCS). Die chemische Industrie präsentiert sich gerne als saubere Sache, unterdrückt dabei Forschungsergebnisse und bezeichnet lebensbedrohlich Erkrankte gerne als „Chemiephobiker”.

Viele schwer diagnostizierbaren Erkrankungen gehen auf Umweltgifte zurück. Im Interesse von Marktpräsenz und Rendite wird mit der Gesundheit ganzer Bevölkerungsgruppen gespielt. Dr. Tino Merz ist Sachverständiger für Umweltgifte und wird deshalb immer dann gerufen, wenn Menschen über plötzliche Krankheitssymptome klagen. Nachdem sich der Chemiker und Toxikologe durch meterdicke Akten, Messwerttabellen, Untersuchungsberichte und Grundsatzurteile gearbeitet hat, stellt er fest, dass die Schule, die er gerade untersucht hat, VOC vorbelastet ist.

VOC ist ein Überbegriff für flüchtige organische Substanzen, wie sie in Lösungsmitteln vorkommen. Nachdem die Schule renoviert worden war, klagten Schüler und Lehrer über entzündete Augen, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche. Obwohl die Werte auch sieben Monate nach der Renovierung noch messbar sind, wird ein Gutachter die Werte „relativieren“ und raten, regelmäßig zu lüften. Doch der empfohlene drei bis vierfache Raumluftwechsel pro Stunde scheint besonders im Winter völlig absurd.

Auch stellt sich Merz die Frage, warum diese Stoffe trotz ihrer Toxizität weiterhin produziert, verkauft und selbst in öffentlichen Gebäuden verwendet werden dürfen. Die Zahl der Schulen mit einem ähnlichen Problem schätzt der Chemiker auf etwa 5000. Die Vergiftung der Umwelt ging mit der Industrialisierung einher. Erschreckend ist, dass die Luft in den meisten amerikanischen Wohnungen schlechter ist, als in Los Angeles an einem Smogtag. Auch bei uns ist die Luft getränkt mit Lösungsmitteln, Weichmachern, hormonähnlichen Substanzen, Rückständen von Medikamenten im Trinkwasser und Schutzmitteln gegen Feuer und Frost.

Dieser ganze Chemiebaukasten wird von uns eingeatmet, gegessen und getrunken und lagert sich in unserem Fettgewebe und den Organen ab. Parallel dazu steigt die Zahl der so genannten Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Allergien, Hautreizungen und Unfruchtbarkeit in bedrohlichem Ausmaß an. Merz gehört dem wissenschaftlichen Beirat des Netzwerkes für MCS-Erkrankten an. Von der Multiplen Chemikalienunverträglichkeit (MCS) ist bereits jetzt ein Teil der Bevölkerung betroffen. In nicht wenigen Fällen äußert sich das als Schlaflosigkeit, permanente Übelkeit, bis hin zu Geschwüren, Herzerkrankungen und neurologischen Schädigungen.

Meist dauert es aber Jahre, bis MCS erkannt wird und dem Kranken die richtige Diagnostik und Behandlung widerfährt. Manche haben eine Odyssee von weit über 30 Ärzten und Kliniken, einschließlich Psychiatrie, hinter sich, bevor ihnen geholfen werden kann. Nach wie vor existiert eine gewaltige Lobbyvereinigung der chemischen Industrie, die versucht, seriöse Forschungen zu verhindern. Dabei werden dann auch schon einmal Fachleute gekauft und Testergebnisse manipuliert.

So wurden jahrelang die Symptome von MCS als psychosomatisch erklärt und der Begriff „Chemiephobie” in die Fachwelt gestreut. Doch weltweite und vergleichende Studien haben in den letzten Jahren den Verdacht der krankmachenden Chemie erhärten können. So wurde vielfach belegt, dass die meisten MCS-Patienten aus Berufen stammten, in denen sie überdurchschnittlich oft mit bestimmten chemischen Produkten in Berührung kamen.

1991 stellte der Umweltrat fest, dass „ein kausaler Zusammenhang zwischen MCS und vielfältigen Umwelteinflüssen, die von der Mehrheit der Bevölkerung gut vertragen werden, nicht wissenschaftlich belegt, jedoch auch nicht ausgeschlossen werden kann“. Das allerdings trifft nach Ansicht von Fachleuten wie Dieter Eis nur sehr bedingt zu. Deshalb wurden nun Hunderte von Probanden über die letzten Jahre beobachtet. Eine endgültige Aussage hat die Studie bisher nicht erbracht. Obwohl die Untersuchungen, die nun schon seit Jahren in Deutschland ohne abschließendes Ergebnis laufen, bereits in den 70er Jahren in den USA durchgeführt wurden, werden die Ergebnisse im Rahmen der neuen Studie noch nicht einmal erwähnt.

Für den Umwelttoxikologen sieht das sehr nach einer Verzögerungstaktik aus. Auch unliebsame Ergebnisse werden schnell ignoriert. Tino Merz selber war es vor sechs Jahren gelungen, nachzuweisen, dass der Bayer Konzern bei den Labortests zu Pyrethroiden mit manipulierten Zahlen gearbeitet hatte, um den Verkauf des Produktes nicht zu gefährden. Dieselben Leute, die MSC-Kranke bis heute als „Ökochonder” bezeichnen.

Quelle des Originalartikels: http://www.3sat.de/nano/astuecke/94057/index.html

Viele schwer diagnostizierbaren Erkrankungen gehen auf Umweltgifte zurück. Im Interesse von Marktpräsenz und Rendite wird mit der Gesundheit ganzer Bevölkerungsgruppen gespielt. Dr. Tino Merz ist Sachverständiger für Umweltgifte und wird deshalb immer dann gerufen, wenn Menschen über plötzliche Krankheitssymptome klagen. Nachdem sich der Chemiker und Toxikologe durch meterdicke Akten, Messwerttabellen, Untersuchungsberichte und Grundsatzurteile gearbeitet hat, stellt er fest, dass die Schule, die er gerade untersucht hat, VOC vorbelastet ist.

VOC ist ein Überbegriff für flüchtige organische Substanzen, wie sie in Lösungsmitteln vorkommen. Nachdem die Schule renoviert worden war, klagten Schüler und Lehrer über entzündete Augen, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche. Obwohl die Werte auch sieben Monate nach der Renovierung noch messbar sind, wird ein Gutachter die Werte “relativieren“ und raten, regelmäßig zu lüften. Doch der empfohlene drei bis vierfache Raumluftwechsel pro Stunde scheint besonders im Winter völlig absurd.

Auch stellt sich Merz die Frage, warum diese Stoffe trotz ihrer Toxizität weiterhin produziert, verkauft und selbst in öffentlichen Gebäuden verwendet werden dürfen. Die Zahl der Schulen mit einem ähnlichen Problem schätzt der Chemiker auf etwa 5000. Die Vergiftung der Umwelt ging mit der Industrialisierung einher. Erschreckend ist, dass die Luft in den meisten amerikanischen Wohnungen schlechter ist, als in Los Angeles an einem Smogtag. Auch bei uns ist die Luft getränkt mit Lösungsmitteln, Weichmachern, hormonähnlichen Substanzen, Rückständen von Medikamenten im Trinkwasser und Schutzmitteln gegen Feuer und Frost.

Dieser ganze Chemiebaukasten wird von uns eingeatmet, gegessen und getrunken und lagert sich in unserem Fettgewebe und den Organen ab. Parallel dazu steigt die Zahl der so genannten Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Allergien, Hautreizungen und Unfruchtbarkeit in bedrohlichem Ausmaß an. Merz gehört dem wissenschaftlichen Beirat des Netzwerkes für MCS-Erkrankten an. Von der Multiplen Chemikalienunverträglichkeit (MCS) ist bereits jetzt ein Teil der Bevölkerung betroffen. In nicht wenigen Fällen äußert sich das als Schlaflosigkeit, permanente Übelkeit bis hin zu Geschwüren, Herzerkrankungen und neurologischen Schädigungen.

Meist dauert es aber Jahre, bis MCS erkannt wird und dem Kranken die richtige Diagnostik und Behandlung widerfährt. Manche haben eine Odyssee von weit über 30 Ärzten und Kliniken, einschließlich Psychiatrie, hinter sich, bevor ihnen geholfen werden kann. Nach wie vor existiert eine gewaltige Lobbyvereinigung der chemischen Industrie, die versucht, seriöse Forschungen zu verhindern. Dabei werden dann auch schon einmal Fachleute gekauft und Testergebnisse manipuliert.

So wurden jahrelang die Symptome von MCS als psychosomatisch erklärt und der Begriff “Chemiephobie” in die Fachwelt gestreut. Doch weltweite und vergleichende Studien haben in den letzten Jahren den Verdacht der krankmachenden Chemie erhärten können. So wurde vielfach belegt, dass die meisten MCS-Patienten aus Berufen stammten, in denen sie überdurchschnittlich oft mit bestimmten chemischen Produkten in Berührung kamen.

1991 stellte der Umweltrat fest, dass “ein kausaler Zusammenhang zwischen MCS und vielfältigen Umwelteinflüssen, die von der Mehrheit der Bevölkerung gut vertragen werden, nicht wissenschaftlich belegt, jedoch auch nicht ausgeschlossen werden kann“. Das allerdings trifft nach Ansicht von Fachleuten wie Dieter Eis nur sehr bedingt zu. Deshalb wurden nun Hunderte von Probanden über die letzten Jahre beobachtet. Eine endgültige Aussage hat die Studie bisher nicht erbracht. Obwohl die Untersuchungen, die nun schon seit Jahren in Deutschland ohne abschließendes Ergebnis laufen, bereits in den 70er Jahren in den USA durchgeführt wurden, werden die Ergebnisse im Rahmen der neuen Studie noch nicht einmal erwähnt.

Für den Umwelttoxikologen sieht das sehr nach einer Verzögerungstaktik aus. Auch unliebsame Ergebnisse werden schnell ignoriert. Tino Merz selber war es vor sechs Jahren gelungen, nachzuweisen, dass der Bayer Konzern bei den Labortests zu Pyrethroiden mit manipulierten Zahlen gearbeitet hatte, um den Verkauf des Produktes nicht zu gefährden. Dieselben Leute, die MSC-Kranke bis heute als “Ökochonder” bezeichnen.

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2 Antworten auf Chemieindustrie bezeichnet Kranke als „Ökochonder”

  1. Andrea sagt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Merz,
    es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen einfach nur “DANKE” zu sagen. Bin selbst MCS-Betroffene, habe acht Jahre meines Lebens praktisch verschlafen, ständiger Durchfall, ständige Übelkeit und tausend andere diffuse Symptome. Ich war hochgradig vergiftet, wurde aber nur für psychisch krank erklärt.
    Wir brauchen Menschen wie Sie!! Tausend Dank!
    Liebe Grüße
    Andrea

  2. Pingback: Symptome – große Vielfalt ist meist toxisch | Dr. Tino Merz

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