Gestank und Gesundheit

Eine Hähnchenmast pustete zwei Jahre die Stallluft direkt waagerecht in des Nachbars Garten. Der Geruch war infam. Manchmal wurde den Nachbarn schlecht.

A la long wurden auch alle krank:Gereizte Schleimhäute, Sensibilität der oberen Atemwege, manchmal wird es da eng, Hautallergien jucken und machen wund. Das Hirn wird langsamer und verliert an Stabilität, Reizbarkeit, Lernschwierigkeiten, auch der Hirnstamm ist lädiert: Schwindel und Ataxie als Koordinationsstörung, schließlich Persönlichkeitsveränderungen.

Die Leute versuchen es erst einmal beim Nachbarn im Guten – zu lang. Das Landratsamt lässt sich nochmals Zeit. Zwei Jahre Schwarzbetrieb. Naja, der Betrieb sei ja mit nur 4200 Tieren sehr klein. Zwei Jahre zu spät wird eine Abgasführung (3 m über dem Dach) zur Auflage gemacht.

Nun zeigt sich das ganze Malefiz für chronisch Kranke in Deutschland. Keiner hat die Krankheiten verstanden, keiner nimmt sie ernst. Zwei Jahre fahrlässige Körperverletzung wollte der Staatsanwalt einstellen, die Beschwerde erbrachte, dass der Staatsanwalt jetzt abwartet, was die Klage vor dem VG (Verwaltungsgericht) erbringt.

Nun ist das VG für den Schwarzbetrieb streng genommen nicht zuständig. Das nutzt das VG. Der Beweisantrag – das A und O in Verwaltungsverfahren – in Sachen Gesundheit wurde abgewiesen, dass die Erkrankung über den jetzigen Betrieb nichts aussage. Schön formuliert.

Nun, es gibt keine Studien zu Gesundheitsgefahren durch diese Stallluft. Noch niemand hat diese Luft angemessen untersucht. Ein paar Vorschläge: Ammoniak (grenzwertig), Feinstaub (grenzwertig, geschätzt), Aldehyde (Desinfektionsmittel, hochaggressiv), Pestizide, Schimmelpilztoxine: MVOC – microbielle flüchtige Verbindungen – nerven- und immunschädigend, können akut auch Übelkeit verursachen, Aflatoxine – sehr starke Gifte, leberschädigend, nervenschädigend, Immunsuppressor, krebserregend und sieben weitere hochtoxische Stoffe. Dieser Mix erklärt spielend die Symptomatik der Kläger.

Hinzu kommt: (1) die zeitliche Koinzidenz (starkes toxikologisches Kriterium), (2) dass alle drei Nachbarn erkrankt sind, (3) die Symptomatik weitgehend identisch ist, (4) die betroffenen Organsysteme zu 100% identisch sind und (5) dieses Muster typisch für Vergiftungen ist. Diese Abfolge der Argumente bedeutet rechtlich Handlungsbedarf (im Rahmen der TA-Luft gibt es dafür eine Sonderfallprüfung).

Dass das VG dem entschlüpft, ist sicher menschlich gemein, aber rechtlich geschickt. Ob es als rechtsfehlerhaft gekippt werden kann, wird sich weisen.

Eines ist jedoch gewiss: Diese Situation wäre nicht schlimm, wenn diese Krankheiten bekannt und verstanden wären. In Deutschland ist schlicht nicht bekannt, dass Vergiftungen definiert und am Muster klar erkennbar sind und dass das wissenschaftlich gesichert ist. Diese und die geniale Definition unter dem Namen Sick-Building-Syndrom, enthält alles, um eine chronische Vergiftung zu erkennen. Sie existiert seit 1982. Das wurde in Deutschland verschlafen und zwar bis auf den heutigen Tag. Da diskutieren Umweltmediziner und Patientenorganisationen und diverse Foren über neueste Laborparameter, aber den wissenschaftlichen Stand von 1982 kennen sie nicht. Also gibt es für die Betroffenen keine Diagnose, also sind sie auch nicht krank!

Zurzeit ist die Welt vernagelt: Keiner will zugeben, dass da etwas korrigiert werden muss, nicht einmal die Betroffenen.

 

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2 Antworten auf Gestank und Gesundheit

  1. Johannes sagt:

    Lieber Dr. Merz,
    dieser Beitrag ist hervorragend und zeigt einmal mehr die Ignoranz der Wissenschaft durch Politiker und Gerichte. Das schlimme daran ist, wer betroffen ist und sich der weiteren Vergiftung entzogen hat, spürt nach Jahren etwas Besserung, z. B. Auszug aus der Schimmelpilzwohnung und massiv wassergeschädigtem Haus. Ich erkannte immer deutlicher meine Symptome, wie oben beschrieben. Nun wohnt eine Ausländerin drin. Meine Lebensgefährtin wird im Gesicht mit Botox behandelt, da sie seit 12 Jahren starke Zuckungen in der linken Gesichtshälfte hat. Sie ist nun nicht mehr zugänglich und weist mich ab, wenn ich ihr meine Analysen und Befunde zeige. Ihre Beiträge ignoriert sie. Ein Zusammenleben mit ihr wird zur Qual, da ich nicht mehr alles kann. Wohnung reinigen, einkaufen und Hausordnung. Die Gifte sind überall, Medikamenten – Contergan, VIOXX, Lipobay und Mediator – wie lange brauchte die Politik und Justiz das Zeug zu verbieten. Die Lebensmittel sind von Genmanipulation, Bakterien- und Schimmelpilzgifte betroffen und verursachen EHEC, Autoimmunreaktionen, Stoffwechselstörungen, Gehirnschäden und andere Gewebe- und Organschäden. Z. B. Ein Glas Marmelade kostet 1,49€ mit Citronensäure vm Schimmelpilz Aspergillus, ein Glas ohne Schimmelpilzsäure, also mit Zitronensaft kostet 3,49 bis 8,49€. Warum? Vanillin von Schimmelpilz kostet 0,19€, dagegen Vanilliezucker von der Schote kostet 1,50 bis 1,99€. Die Liste der Fertigprodukte ist lang, aber die Kritiker werden nicht gehört.

  2. Sehr geehrter Herr Merz,
    Ich sehe das Problem in der fehlenden Kassenleistung in Bezug auf die Umweltmedizin.
    Hintergrund: Ohne Umweltmedizin kommt es zu keiner Sensibilisierung der Behörden, keine notwenigen Forschungen, da kein Bedarf hieran besteht, und somit kommt es zu keiner Beweiskette für die Schädlichkeit von Produkten und Vorgehensweisen.

    Deswegen habe ich diese Petition ins leben gerufen:
    https://www.openpetition.de/petition/online/aufnahme-der-umweltmedizin-als-kassenleistung

    Ich erhoffe mir Gehör zu verschaffen bei Politik, Medien und Umweltorganisationen, damit dieser vermutlich grundgesetzwidrige Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung endlich bekämpft wird.

    mit freundlichen Grüßen

    Hagen Schütte

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