Alte Grenzwerte – (Ozon in Innenräumen)

Die Ozondebatte ist schon einige Zeit her und es wurden dabei keine Grenzwerte definiert. Ganz anders als die Immissionsschutzgrenzwerte der TA-Luft (IW1-Werte), die als echte Grenzwerte im Sinne der Gefahrenabwehr etabliert wurden, gibt es bei Ozon nur eine Alarmschwelle, die bekanntgegeben wird – darauf zu reagieren wird dem Einzelnen überlassen.

Diese Alarmschwelle für die Außenluft wird von Gutachtern als Grenzwert für die Innenraumluft missbraucht:

“Aufgrund der eingesetzten Geräte und der regelmäßig durchgeführten Wartungsarbeiten ist davon auszugehen, dass die Exposition gegenüber Ozon im Schichtmittel unterhalb des zuletzt gültigen Grenzwertes von 0,1 ppm gelegen hat.” Behauptet ein Gerichtsgutachter.

Er erklärt nicht, was mit dem “zuletzt gültige(n) Grenzwert” gemeint sein soll. In der MAK-Liste ist der Grenzwert wegen der Einstufung B3 in der Rubrik “krebserregende Stoffe“ aufgehoben. Deshalb verbleibt nur die EU-Richtlinie. Danach erfolgt eine Warnung für die Bevölkerung bei einer Überschreitung von 180 µg/m³ (= 0,09 ppm) für den Zeitraum von nur einer Stunde. 0,09 ppm eine Stunde lang, ist laut EU-Richtlinie bedenklich für sensible Personen.

Das ist kein Grenzwert im Sinne einer Wirkschwelle, sondern ein Alarmwert im Sinne einer Karenznotwendigkeit: sich nicht im Freien aufhalten, keine körperliche anstrengenden Arbeiten ausführen, etc.

Der Gutachter nennt demgegenüber 0,1 ppm 8 h lang für unbedenklich. Das ist die 10-fache Belastung der Alarmschwelle. Grenzwerte sind nie unbedenklich, aber jene Alarmschwelle ist nicht einmal das.

Die Wirkung von 200 µg/m³ (0,1 ppm) wird in der Literatur wie folgt beschrieben: Tränenreiz, Schleimhautreizungen in Rachen, Hals und Bronchien, Kopfschmerzen, verstärkter Hustenreiz, Verschlechterung der Lungenfunktionen. Das bedeutet, dass ein hyperreagibles Bronchialsyndrom (HRB) im Sinne eines erworbenen Asthma bronchiale als längerfristige Folge zu erwarten ist. Letzteres ist eine Immunkrankheit und Ozon ist immuntoxisch. Die ist als Berufskrankheit – als BK 4302 – anerkannt.

Um nun die Kausalität verneinen zu können wird ein Grenzwert behauptet, den es gar nicht gibt, und damit eine Exposition bewertet, die der Gutachter nicht kennt. Das ist Gutachteralltag im Sozialrecht.

Der Hauptfehler ist dabei noch gar nicht benannt.

Die 0,09 ppm sind kein Schwellwert. Dieser liegt derzeit bei 0,05 ppm. Das ist ein Fehler von 100% (Gerichtsgutachter nennt ja 0,1 ppm als unbedenklich). Wie bei allen chronischen Intoxikationen liegt der Hauptfehler bei der Zeit. Schon bei einem 8-h-Tag beträgt der Fehler einen Faktor 16, für eine Woche einen Faktor 80.

Wie auch immer man die Erholung am Wochenende bewertet, nach einem Jahr ist der Bewertungsfehler > 1000. Wählt man für die Erholung am Wochenende eine Halbierung der Exposition, ergibt sich ein Bewertungsfehler von einem Faktor 1 760. Die Überschlagsrechnung zeigt, wie weit die Vernachlässigung des Zeitfaktors in die Irre führt. Sie zerstört allzu voreilige Unbedenklichkeit und zeigt welche Parameter nicht bedacht worden sind.

Hier soll nicht der Eindruck entstehen, O3 aus Kopierern allein ein BK 4302 verursacht. Aber eine Mitwirkung kann nicht ausgeschlossen werden. Ein solcher Ausschluss ist nur glaubhaft, wenn man wie oben gezeigt, nichtexistente Sicherheitsabstände vortäuscht.

Wie konkret das Gesundheitsrisiko ist, hängt von der Dosis ab: Konzentration mal Zeit. Betriebsdauer des Kopierers, Raumgröße, Lüftung, wechselndes Betriebspersonal oder Beschränkung auf wenige Personen. Gerüche können eine gewisse Warnung sein: Die Geruchsschwelle für Ozon liegt bei 40 µg/m³, also unterhalb der Kurzzeit-Wirkschwelle. Die Frage des Risikos von Lasergeräten ist komplex – O3, Staub, Schwermetalle, VOC – und wird demnächst in einem weiteren Blogartikel vertieft.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.