Hygiene wird zur Sondermüllentsorgung missbraucht

Wissenschaftlich verfügbare Vergleiche von Hygienerisiko und Vergiftungsrisiko weisen eindeutig – d. h. statistisch signifikant – auf Gesundheitsschädlichkeit im Sinne einer chronischen Vergiftung hin. Dem steht eine nur fragwürdige hygienische Sicherheit gegenüber und zwar in dem Sinne einer übertriebenen Giftigkeit, wo in aller Regel Seife, Wasser und ggf. Soda genügt – sogar bei MCS (vgl. u.). #

Hygiene und Toxizität sind nur scheinbar ein Zielkonflikt.

Beispiel 1 (Schwimmbad):

Im Rahmen einer Arbeit im Auftrag von verdi auf Antrag einer Gruppe von Schwimmmeistern mit ähnlichen Gesundheitsproblemen im Bereich Immunologie – Allergien, Atemwegsbeschwerden, Hautreaktionen, Schwäche – ergab die Recherche mit erstaunlicher Übereinstimmung, dass das Schwimmbad ein ungesunder Ort ist. Es gab positive epidemiologische Signifikanzen für alle Personenkreise, die sich überdurchschnittlich oft in Schwimmbädern aufhalten: Personal (Schwimmmeister), Leistungssportler, Babyschwimmen etc. Demgegenüber gibt es keinen Nachweis, dass eine Chlorierung des Beckenwassers hygienisch geboten ist. Kritisch sind die Kontaktflächen. Auch da wird übertrieben: die Schwimmmeister haben angegeben, dass sie akute Probleme beim Putzen bekommen. In der Tat waren die Putzmittel von völlig überzogener chemischer Aggressivität. Wo eine starke Sodalösung – alkalische Lösung zerstört alle Peptide – genügt hätte, wurden hochaggressive Säuren (eine Rezeptur hat sogar Metalle angegriffen) i. V. mit hohen Anteilen an Lösemitteln eingesetzt. Das erklärt, warum dies Mixturen sogar akut wirken.

Die chemisch-toxische Aggressivität des gesamten Chemikalieneinsatzes ist in toxikologischen Sinne bedenklich und in hygienischen Sinne unötig. Der Einsatz ist unverhältnismäßig.

Die Chlorierung das Beckenwassers führt zu ungewollter Entstehung von Chlororganika, Gifte, die auch noch flüchtig sind. Die Römer haben das ein Jahrtausend ohne Gifte hinbekommen. Es gibt also keine ernstzunehmenden hygienischen Gründe.

Beispiel 2 (Arbeitsplatz Gebäudereinigung):

In Zusammenhang mit der Berufskrankheit BK 1317 wird ein neuer Risikoberuf sichtbar: der Gebäudereiniger. Dies hat seinen Grund darin, dass die Reinigungsmittel im letzten Jahrzehnt mit Chemie variantenreich verändert wurden. Welchen positiven Sinn das haben soll, ist nicht so recht plausibel. Die Nebenwirkungen dagegen sind erkennbar.

Fest steht, dass nun auch die Gebäudereiniger Symptome entwickeln, wie sie bei Malern, Lackierern, Tankreinigern etc. bekannt und anerkannt sind. Die Reinigungsmittel enthalten in zunehmenden Maße VOC. Sie sorgen dafür, dass nun auch dieser Arbeitsplatz zu einem Risikoarbeitsplatz wurde. Der Grund ist vor allem der, dass die Gebäudereiniger den TVOC-Dampf 8 h lang einatmen, viel länger als die klassischen Risikoberufe. Die Konzentration des TVOC mag bei Malern oder Lackierern höher sein, aber während der Vorbereitungsarbeiten ist sie gleich Null. Dosis ist Konzentration mal Zeit. Bei den Gebäudereinigern ist die Expositionszeit höher.

Aus diesem Sichtwinkel ist diese Erfahrung ähnlich der in der Nachbarschaft der Großwäscherei: niedrige TVOC-Konzentrationen über einen langen Zeitraum des Tages.

Beispiel 3 (Hausputz):

Das 3. Beispiel ist wohl das Überraschendste: es ging erst kürzlich durch die Presse (stern.de 28.02.2018): Putzen ist genauso gesundheitsschädlich wie Kettenrauchen.

Hintergrund ist eine großangelegte Kooperations-Arbeit von insgesamt 27 europäischen Instituten – Universität und staatliche Ebene – mit ~ 6 200 Probanden. Das regelmäßige Putzen mit modernen Putzmitteln richtet den gleichen Schaden an, wie 20 Zigaretten am Tag. Besonders betroffen sind Frauen, die als Reinigungskraft arbeiten, oder die viele chemische Reinigungsmittel zuhause anwenden.

Die Aussage bezieht sich auf COPD (Chronic Obstruktiv Pulmologic Decease, Asthma mit dauerhaftem Lungenschaden, anerkannt als BK 4302)). Rauchen erzeugt COPD. Das ist bekannt und damit eine sichere, wissenschaftlich belastbare Referenz.

Beispiel 3 korrespondiert gut mit der gutachterlichen Erfahrung des Beispiels 2.

Beispiel 4 (Immissionen in der Nachbarschaft durch Großwäscherei):

Die Situation in unmittelbarer Nähe einer Großwäscherei ist offenbar ähnlich. An einem Standort wurden bei Nachbarn HRB (Hyperreagibles Bronchialsystem (Asthma bronchiale), fällt auch unter die BK 4302, im Vergleich zur COPD fehlt ein dauerhafter Lungenschaden) diagnostiziert. In diesem Fall waren die Emissionsauslässe niedrig und die Ausbreitung durch Gebäude behindert.

Erstaunlich war der Chemikalieneinsatz: 12 t im Jahr; darunter 22 aggressive Chemikalien, 10 Duftstoffe, 18 Tenside. Qualitativ ist die Bandbreite der chemisch-irritativen Angriffe auf die Gesundheit durch die Emissionen der Großwäscherei sicher höher als die Putzsituation im Haushalt. Dies gilt vor allem für den oxidativen Bereich (Wasserstoffperoxid und Hypochlorid). Wie es quantitativ aussieht hängt vom Wohnort ab.

Das Landratsamt wollte sich nur mit einer Chemikalie befassen und das zuständige Landesamt für Umweltschutz erklärte sich überfordert. Das Gericht erklärte den Standort für eine chemische Reinigung für ungeeignet, aber es kämen ja nur normale Waschmittel zum Einsatz. Die Anwälte der Klägerseite hatten auch keine Lust, sich mit den Chemikalien und deren Toxikologie zu befassen.

Das ist heute das Ergebnis aus 20 Jahren Gejammer statt Sacharbeit. Wer Umweltschäden per Verharmlosung durchsetzen will, verbietet Einwändern bereits das Thema. Das klappt immer, wenn man die entscheidenden Details weglässt.

Toxifizierung des Hygienebereiches

Die Toxifizierung des Hygienebereiches hat im letzten Jahrzehnt drastisch zugenommen. Das liegt daran, dass eine toxische Verschärfung der Situation ganz leicht durchgesetzt werden kann, weil die Notwendigkeit der Hygiene jeder versteht. Damit sind wir alle aufgewachsen und entsprechend erzogen. Zum Vergleich: für die Forderung des Händewaschens bei behandelnden Ärzten wurde Semmelweis noch für verrückt erklärt. Für weiteren Einsatz von Chemie/Desinfektionsmitteln genügt immer die Behauptung, dies bringe „mehr Sicherheit“. Dies hat sich schon vor einigen Jahrzehnten in sein Gegenteil verkehrt.

In der EHC-Klinik (Environmental Health Center, Dallas, Textes) sind solche Mittel streng verboten. Auf einem Kongress in Bad Emstal wurde Prof. Ross – seinerzeit am EHC tätig – gefragt, wie er denn ohne Desinfektionsmittel die Hygiene gewährleisten könne. Seine Antwort lautete: soap and water.

VOC, chemisch-irritative Stoffe, Desinfektionsmittel lassen heute toxische Invaliden entstehen und zwar durch den beruflichen Umgang und den Einsatz in Innenräumen. Chemikalien in Innenräumen als Krankheitsursache ist seit dem Umweltkongress 1963 unter Kennedy bekannt. Seit den 90er Jahren sind die Folgekrankheiten (gemäß ICD der WHO) – TE, HRB, CFS, MCS – ein Massenphänomen.

Es wird immer übersehen, dass bei chronischer Exposition der Zeitfaktor die entscheidende Größe ist. Es wird des Weiteren übersehen, dass die genannten Krankheiten chronisch sind. Ein „das vergeht wieder“ gibt es nicht. Diese Fehleinschätzung erfolgt, weil niemand die Multiplikation Konzentration mal Zeit als Vorrausetzung für eine Erkenntnis der Dosis nachvollzieht. So wird fälschlich davon ausgegangen, dass eine wie auch immer gemessene Konzentration, die Dosis benennt. Die Probenamezeit beträgt meist nicht mehr als 15 Minuten, ein Äquivalent von nur wenigen Atemzügen.

Deshalb kommt die Epidemiologie zu ganz anderen Ergebnissen, weil sie lange Zeiträume berücksichtigt.

Das sind die Details, die krank machen und die die SHG’ s und andere Umweltaktivisten nicht thematisieren. Nur auf die Moralpauke zu hauen, genügt nicht und hat dazu geführt, dass alle umwelttoxikologischen Themen stets mühelos vom Tisch gefegt werden.

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