Plünderung der Reserven

Der vergiftete Organismus stößt vielfach an seine Grenzen (Overload). Eine davon ist, dass essentielle Stoffe in höherem Maße verbraucht werden. Insbesondere die Kofaktoren der Entgiftung (Zink, Selen, B-Vitamine, Schwefelverbindungen, etc., ) und Cofaktoren der Energiebereitstellung (Q-10, Carnitin, NADH, B12 etc.) sind betroffen. Je höher die Umweltbelastung, desto schneller gehen die Reserven dieser Stoffe zu Ende. Soweit Antioxidantien (C, E, Glutathion, a-Liponsäure, Q10 etc.) betroffen sind, ändert sich das Redoxpotential. Der resultierende oxidative Stress führt zu Entzündungen, diese zu Nervenschäden. Dies sind ein paar Gründe, warum stets gilt: Dosis ist Konzentration mal Zeit. In aller Regel sind es nicht die Gift, die akkumulieren, sondern jene Folgen.

Overload bedeutet auch, dass ein erhöhter Verbrauch auf eine biochemische Mangelernährung trifft, diese noch vertieft und so sich selbst verstärkt.

Die Entzündungen finden nun nicht mehr ihr natürliches Ende, denn die antientzündlichen Reserven sind aufgebraucht. Sie chronifizieren oder es entsteht der Zustand der chronischen Entzündungsbereitschaft, der sich wiederum bei kleinsten Anstößen manifestiert. Schließlich wird das Nervensystem verstärkt angegriffen.

Eine besondere Rolle spielen die Reserven der Schwefelverbindungen, besonders schwefelhaltige Aminosäuren. Verringert sich der Schwefelpool, verringert sich das chemische Reduktionspotential, das Redoxpotential verändert sich ins Oxidative und der oxidative Stress verstärkt sich. Unterhalb einer bestimmten Schwelle stört dies das Ende der Atmungskette; der Verbrennungsprozess in den Mitochondrien verringert sich, sodass sie der Zelle nicht mehr genug biochemische Energie (ATP) zur Verfügung stellen können. Dies ist i. Ü. nichts Neues: ATP-Defizit bzw. Blockade der Proliferation findet sich schon bei Carson 1962 (S. 207ff): Artensterben durch Erschöpfung der ATP-Vorräte in den Eizellen i. V. mit DDT-Speicherung im Gelege von Vögeln (a. a. O., S. 210f). Der Stumme Frühling ist heute Tatsache – zumindest auf dem Land – nach der Prognose von 1962. Dies ist nun auch bei der Art “Mensch” angekommen.

Stark vereinfacht ergibt sich eine Kausalkette folgender Art:

Oxidativer Stress (ROS)
Vergiftung →           ↑↓        ↔ Syst. Entzündung ↔ Zellschäden → Organschäden
Poolplünderung

Sinn dieser Darstellung ist, deutlich zu machen, dass es von der Primärschädigung zur klinischen Symptomatik ein weiter Weg ist und sich auf diesem Weg alle toxischen Einflüsse miteinander verbinden. Die konkrete Ausbildung einer definierten Krankheit wird nicht durch die Wirkweise der Toxine gesteuert, sondern durch spätere Lenkungen etwa der Gene, der Ernährungsweise, d. h. durch die Schwachpunkte des Organismus. In Sache Giftcocktail ist eher die Höhe entscheidend als spezifische Metabolismen.  Dass dabei nur wenige unterschiedliche Krankheitsbilder herauskommen, beweist die untergeordnete Bedeutung der Primärschädigung. Chronische Vergiftungen sind nicht spezifisch, steht schon im Umweltgutachten des Sachverständigenbeirats von 1987.

Die Schulmedizin sucht in ihren Gutachten stets nach spezifischen Spuren als Nachweise: sie suchen im Kohlenkeller nach einer schwarzen Katze die nicht da ist.

Dieser Beitrag wurde unter Chronische Vergiftung, Dosis veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.