Corona – Verschwörungstheorien

Ungeduld ist ein schlechter Ratgeber. Er öffnet zudem das Ohr für allerlei. Wer Gelegenheiten wahrnimmt, um sich mal so richtig auszukotzen, der darf das in einer Demokratie.

Aber „Verständnis“ hat so etwas nicht verdient. Ein solches Verständnis war auch der Fehler gegenüber Pegida, weil die Intension ja nicht Empathie sondern Hass war. Nein, wer aus Bequemlichkeit oder Bockigkeit andere gefährdet, hat niedere Motive, nämlich Ego-Massage. Was so manche in die Mikrophone spuken, ist schon schlechter Stammtisch. „Die Abgehängten“ ist so eine Verständnisfloskel. Sie ist Schleimspur und hilft auch dem Schleimer nicht, sondern fördert ein falsches Signal.

Die Versuche der Rechten daraus Revolutionäre zu machen, musste scheitern. Denn sie können die Macht nicht ergreifen, wenn sie auf die schwachen Egos setzen und dann noch das Schlechteste im Menschen aktivieren. Sie sind auch damit gescheitert, das GG zu pervertieren. Wer Artikel 13 GG (Schutz der Privatsphäre) gegen Art. 2,2 (Körperverletzung) ausspielt, versteht nicht, was das GG besagt, nämlich Schutz vor Willkür und dafür gibt es eine Hierarchie: Menschenwürde, körperliche Unversehrtheit, Privatsphäre. Wer das umkehrt, pervertiert das GG. Wer andere ausgrenzt, verstößt gegen Art. 1 (Menschenwürde). Das ist nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Man kann jede Meinung äußern, aber darf sich dann nicht beschweren, wenn man dann harsche Ablehnung erntet. Ich meine persönliche Ausgrenzung (Wahnsinnige) vor Sachdiskussion in Sachen Umwelt, Klima, Viren, Finanzverteilung etc.

Dazu ist ein Klima der Verunsicherung nützlich. So glauben jedenfalls solche Leute. Deshalb einige Worte zu den Verschwörungstheorien.

Verschwörungstheorien (heute) zeigen, dass auch intelligente Leute ein schwaches Ego haben. Sie verwenden ihren Intellekt, um sich als besonders schlau darzustellen.

Historisch sind Verschwörungen eine Methode für den Machtwechsel, wenn es auf anderem Weg nicht geht. Die römischen Kaiser wurden so gewechselt – kaum einer starb eines natürlichen Todes. Erfundene Verschwörungen waren Mittel der Machtsicherung; sie führten zur Anklage des Hochverrats und dann zum Verlust des Kopfes (Antike und Mittelalter). Also war Täuschung der Ausgangspunkt für die Verschwörungstheorie. Die Denunziation, etwas als Verschwörungstheorie zu brandmarken ist spätestens seit dem Kennedymord, die Methode, Verschwörungen zu schützen. „Verschwörungstheorie!“ ist Abwehr und Wegschauen. Der Kennedymord wird einem Einzeltäter zugordnet und alle Ungereimtheiten unter den Verschwörungstheorieteppich gekehrt (Bröckers 2013, JFK). Jeder lustlose Politiker bedient sich gern der Ausrede, wenn etwa SHG’ s sich beklagen, dass chronisch Vergiftete ihrer Versicherungsrechte aberkannt bekommen. Es gibt viele Methoden den Artikel 2,2 des Grundgesetzes (körperliche Unversehrtheit) zu unterlaufen. Verschwörungstheorie ist die Standard-Schutzbehauptung von Politikern, wenn sie sich einer Schieflage des Rechtsstaates nicht stellen wollen. Deshalb ist es gut, dass zu diesem Thema eine Diskussion entflammt.

Der Urtyp ist der Weltjude. Der hat bisher den größten Schaden angerichtet. Die Kindskopfvariante ist die Bilderbergertheorie. Die Bilderbergerkonferenzen sind geheim, die Protokolle nicht einsehbar und kein Teilnehmer plaudert. Aber Weltregierung? Klar, da wird gemauschelt. Und natürliche Treffen sich Superreiche, bzw. deren Adjudanten mit Politikern und Journalisten, alle handverlesen. Ob dann gemeinsames Handeln funktioniert, ist eine andere Sache. Verschwörungstheoretiker nennen im Bilderbergerzusammenhang die Ölkrise 1973, die deutsche Wiedervereinigung und den Irakkrieg. Tja; bei Sonnenuntergang werfen auch Zwerge lange Schatten. Hier wird Phantasie mit Denken verwechselt. Und diese Sorte Phantasie ‚erkennt‘ immer Böses, wenn sie etwas nicht verstanden hat. In Sachen Bill Gates sind wir bereits im Mittelalter angelangt: der Teufel. Damit hat die Kirche über Tausend Jahre geherrscht. Es war Mühsam, dem ein Ende zu setzen. Aber es versuchen immer wieder ein paar Zwerge damit zu punkten.

Der Richtungsstreit heute ist: Wissenschaft oder Kakophonie? Entscheidet die Faust/Lautstärke oder das Wissen. In Sachen Recht des Stärkeren wird in einem der ersten Schritte, die Entscheidungsebenen von Sachlichkeit in Persönlichkeit/Autorität verschoben. Es interessiert nicht mehr was gesagt wurde, sondern wer. Es ist keine nachprüfbare Sachlage mehr entscheidend, sondern die Meinung eines Einzelnen, der dann entweder zum Genie aufgeblasen wird oder zum Deppen degradiert wird, weil er etwas weiß oder kann. Die Attacke von Bild gegenüber Drosten ist ein klassischer Vorgang. Bild zitiert Autoritäten, die dann postwendend dementieren. Schlimmer ist noch der sekundäre Effekt: da benotet einer, der nicht in der Lage ist, einen Fachaufsatz zu verstehen, eine Studie als „grob falsch“, weil er darüber hinaus gar keine Ahnung davon hat, was ein wissenschaftlicher Diskurs ist. Die Wissenschaft muss frei diskutieren können, wie sich Methoden noch verbessern lassen. Wenn in der Öffentlichkeit dann daraus abgeleitet wird, die Wissenschaft wisse nichts, will sie damit diskreditieren, also durch Bauchgefühl oder Häme ersetzen.

Grundlage für solchen Bullshit ist immer das Vorurteil: „ich halte das alles für übertrieben“. Da ist die objektive Ebene weg und das Bauchgefühl ersetzt die Wissenschaft. Wer weltweit 371 427 Tode (Publikationstermin, heute, ca 5 000/Tag) für keine ausreichende Begründung für Quarantänemaßnahmen hält und auch nicht, dass die nachlässigen Staaten (USA, Brasilien) bis zu tausend Tode pro Tag vermelden, der ist resistent gegen Realität. Der bewundert auch solche Narzissten wie Trump und Bolsonaro. Beratungsresistenz ist keine Ichstärke, sondern Schwäche in der Informationsverarbeitung.

Genau diese Leute finden dann auch die Maske lächerlich. Dass es Masken unterschiedlicher Qualität gibt, wird beiseitegeschoben und es wird einfach abgewunken: „Wir wissen doch, dass sie nichts nutzen“. Abwinken ist noch schwächer als Bauchgefühl. Es ist die Abwehr vor aller Gehirnbelastung.

Da sind Leute, die nur Stärke anerkennen bzw. das, was dafür halten.

In welcher Welt wollen wir leben? In einer in der die Ungeduld die Vernunft ersetzt? in der Narzissten über alles hinweggehen, was ihnen nicht passt, wie z. B. die Anleitungen der Wissenschaft, die Menschenrechte und die Menschenwürde? die schließlich dazu führt, dass alle Orientierungspunkte, die sich daraus historisch entwickelten, verlustig gehen und wir alle wieder beim Faustrecht anfangen? – also zurück vor das Zeitalter der Aufklärung?

Das Ego möchte gern von den Fesseln der Realität befreit sein. Sido etwa lehnt Bildung als Gängelung ab. Günter Jauch war darob ganz verdattert – aber selber schuld, warum lädt er auch solche Leute ein. Sido als Bildungsverweigerer weiß natürlich nicht, dass das, was er macht, nicht neu ist (Wille und Macht 1937-42). Ein anderer beruft sich auf Kant: „Habe den Mut, Dich Deines Verstandes zu bedienen“: Hätte er Kant verstanden, dann wüsste er, dass Kant strenge Regeln dafür nennt (Kategorien). Brauchbare Ergebnisse gibt es immer nur, wenn man gewisse Randbedingungen anerkennt, zeitlich: Anfangsbedingungen. Keine Differentialgleichung ist ohne lösbar. Ohne das funktionierte nicht einmal das alte Röhrenradio. Ein solche „Freiheit“ ohne Realität führt uns zu unserem Ursprung zurück – nicht Steinzeit, nein, noch davor, eine Welt voller Geister, Dämonen und Angst – dann doch lieber Zähneputzen und Maske??

Realität ist unser wissenschaftlicher Fundus, die Erklärung der Welt aufgrund beweisbarer Zusammenhänge.

Wer wissen will, wie Wille Verstandesregeln außer Kraft setzt, befasse sich mit dem Kern der Identitären Ideologie. Sie ist gar nicht primär nationalistisch, denn sie ist multiethnisch. Ihr Kern ist anti-universitär: sie akzeptiert keine allgemeingültigen Gesetze, wie z. B. die Menschenrechte. Wenn es sein muss, werden auch einfache physikalische Gesetzmäßigkeiten attackiert (Elsässer und MMM nennen alle Umweltschützer (1.) Fanatiker und (2.) wahnsinnig). In der Altnaziversion (Anti-Egalitarismus) wird nur attackiert, dass gemäß der Aufklärung alle Menschen die gleichen Grundrechte haben. Der Übermensch mordet nicht, er reinigt. Frage: was macht der Identitäre? Er ersetzt Wissenschaft durch Bullshit. Das ist schlimmer.

Bild zeigt das ganz offen: Bild zielt nicht primär auf eine Person, sondern auf die Wissenschaft schlechthin. Deshalb hat sich auch ein „Team Wissenschaft“ dagegen gebildet. Da Bild einen wissenschaftlichen Diskurs nicht versteht, ergibt sich nach vielen Texten, deren Sinn nicht verstanden wurde der Tenor: Die Forscher wissen auch nicht, was sie sagen. (Tagesspiegel vom 30.05.). Motiv: „Nichts hat uns ganz nachweislich wirtschaftlich in der Reichweite so sehr geschadet wie unsere klare, menschliche, empathische Haltung in der Flüchtlingskrise“. Na, da haben wir dank Bild doch alles zusammen: solche Leute wollen die Wissenschaft ignorieren und Empathie verdrängen, weil sie sich Umsatz erhoffen. Allgemeiner ausgedrückt: Umsatz vor Menschenwürde, Gesundheitsschutz und Empathie mit Mitteln der Täuschung; Macht durch Verharmlosung und letztlich Lebensgefahr als Verfügungsmasse (Spiegel 20.05.), d. h. solche Leute gehen über Leichen und glauben auf die politische Kraft der Verschwörungstheoretiker. Wie es aussieht, geht zumindest die Rechnung von Bild nicht auf: sinkende Auflage, Spaltung der Redaktion. Pfingsten brachte auch an der Demo-Front Entwarnung; es ging kaum noch einer hin.

Wir müssen eigentlich alle diesen Grob-Pervertierern dankbar sein, dass unsre Welt des allgegenwärtigen Bullshits (neue Goebbels, Dämon, Todesstrafe) zum Thema gemacht haben. Überziehen geht meist nach hinten los. Viele befassen sich mit dem Thema und zeigen die schädliche Wirkung der allgemeinen Desorientierung durch Wissenschaftszerstörung.

Grundlagen der Täuschungstechnik unter “Bullshittung” vertiefen.

Wer mit mir diskutieren will, muss mir eine Email schicken.

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